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20.03.2015
Erbschaftssteuer und Erbschaftsauseinandersetzungen - -auch Sachverständigenkosten zur Ermittlung des Grundstückswerts mindern die Erbschaftssteuer !!!!!!!
Die Aufwendungen für die Erstellung eines Sachverständigengutachtens zum Nachweis des niedrigeren gemeinen Werts eines zum Nachlass gehörenden Grundstücks sind als Nachlassverbindlichkeit abzugsfähig. Voraussetzung: Die Kosten fallen in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit dem Erwerb von Todes wegen an. Das entschied der Bundesfinanzhof in einem jetzt veröffentlichten Urteil.
Der Begriff der Nachlassregelungskosten sei grundsätzlich weit auszulegen, erklärten die Richter. Zu den Nachlassregelungskosten gehörten daher auch die Kosten für die Bewertung von Nachlassgegenständen, wenn sie in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit dem Erwerb von Todes wegen und nicht erst durch die spätere Verwaltung des Nachlasses anfallen (BFH-Urteil vom 19. Juni 2013, II R 20/12 - veröffentlicht am 31. Juli 2013).
BFH-Urteil vom 19.06.2013 - II R 20/12
Achtung: BFH beschließt grundlegende Änderung der Kostenregelung für Verkehrswertgutachten in Erbschaftsfällen.
Die Aufwendungen für die Erstellung eines Sachverständigengutachtens zum Nachweis des niedrigeren gemeinen Werts eines zum Nachlass gehörenden Grundstücks sind als Nachlassverbindlichkeit abzugsfähig, wenn sie in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit dem Erwerb von Todes wegen anfallen.
BFH-Urteil vom 19.6.2013 – II R 20/12

Zum Sachverhalt:
Der Kläger und Revisionskläger (Kl.) ist Alleinerbe seines im August 2009 verstorbenen Onkels. Neben weiteren Vermögenswerten gehört zum Nachlass ein bebautes Grundstück. Im Zusammenhang mit der vom Finanzamt geforderten Erbschaftsteuererklärung hatte der Kl. ein Sachverständigengutachten zum Nachweis des gemeinen Werts des Grundstücks erstellen lassen. Das für die Grundstücksbewertung zuständige Finanzamt stellte für das Grundstück den Grundbesitzwert entsprechend dem im Gutachten ermittelten Verkehrswert fest und setzte unter Zugrundelegung des festgestellten Grundbesitzwerts die Erbschaftsteuer fest. Bei Ermittlung des steuerpflichtigen Erwerbs zog es Erbfallkosten nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG als Nachlassverbindlichkeiten ab, ohne dabei die Sachverständigenkosten zu berücksichtigen. Der wegen des Abzugs der Sachverständigenkosten eingelegte Einspruch und die Klage vor dem Finanzgericht blieben erfolglos. Die vom Kl. eingelegte Revision führte hingegen zum Erfolg.
Entscheidungsgründe:
Nach der Auffassung des BFH sind die im Zusammenhang mit der Erbschaftsteuererklärung angefallenen Kosten für das Sachverständigengutachten zum Nachweis des gemeinen Werts des Nachlassgrundstücks (§ 198 BewG) als Nachlassverbindlichkeit abzugsfähig. Anzuwenden ist insoweit die Vorschrift des § 10 Abs.5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG, wonach als Nachlassverbindlichkeit u.a. die Kosten abzuziehen sind, die dem Erwerber unmittelbar mit der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses oder mit der Erlangung des Erwerbs entstehen. Nach Ansicht des BFH ist der Begriff der Nachlassregelungskosten grundsätzlich weit auszulegen. Zu diesen Kosten gehören auch die Kosten für die Bewertung von Nachlassgegenständen, wenn sie in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit dem Erwerb von Todes wegen und nicht erst durch die spätere Verwaltung des Nachlasses anfallen.
Das Urteil entspricht insoweit der heute geltenden Verwaltungsauffassung. Demnach werden die Gutachtenkosten wie Steuerberatungskosten behandelt, die der Erwerber für die Erbschaftsteuererklärung aufwendet (vgl. Hinweis E 10.7 Erbschaftsteuer-Richtlinien – ErbStR - 2011).

Dagegen sind nicht als Nachlassregelungskosten berücksichtigungsfähig: Steuerberatungs- und Rechtsberatungskosten einschließlich Gutachterkosten, die in einem sich an die Steuerfestsetzung oder Wertfeststellung anschließenden Rechtsbehelfsverfahren oder einem finanzgerichtlichen Verfahren anfallen und vom Erwerber getragen worden sind (Hinweis 10.7 ErbStR 2011).

Das Finanzamt muss den nachgewiesenen niedrigeren als den von ihm festgesetzten gemeinen Wert des Grundvermögens bei der Bemessung der Erbschaftsteuer anerkennen.
Besonders zu beachten sind die hohen nach dem Sechsten Abschnitt des BewG ermittelten Grundbesitzwerte, die häufig über den Verkehrswerten liegen. Daher ist ein Erbschaftssteuer-Berater gut beraten, schon im Zusammenhang mit der Abgabe der Erbschaftsteuererklärung für die Bedarfsbewertung das Gutachten eines öffentlich bestellten Sachverständigen einzuholen. Nur dieser wird den tatsächlichen Zustand des Objektes berücksichtigen, der im vom Finanzamt angewandten pauschalierten Bewertungsverfahren nicht oder nur ansatzweise zum Tragen kommt. Der Nachweis des niedrigeren Grundbesitzwertes führt daher besonders in wirtschaftlich schwachen Regionen auch zu einer niedrigeren Erbschaftsteuer.

Praxisbeispiel:

In einem aktuellen Fall hatte das Finanzamt für ein mit einem Wohn- und Geschäftshaus, vom Baujahr 1975 und Anbauten von 1984, bebautes Grundstück, den Grundbesitzwert in Höhe von 537.640,00 EUR festgesetzt. Unter Berücksichtigung des tatsächlichen Zustands und der möglichen Nachhaltigkeit der Nutzung der Gebäude mit ortsüblich erzielbaren Mieteinnahmen, war die Bedarfswertfestsetzung auf der Grundlage des vorgelegten Sachverständigengutachtens auf ca. 375.000,00 EUR zu berichtigen.
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